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Kommunikationsverschlüsselung: GPG
Verfasst von David unter Allgemein, freie Software, Sicherheit, Software am 11. September 2011
Heute schreibe ich über E-Mails, deren latente Unsicherheit und wie man daraus noch etwas ordentliches macht.
Zunächst einmal sollte man wohl beim Thema E-Mails ansetzen. Eine E-Mail ist, wie der Name schon sagt, eine elektronisch versendete Nachricht. Die Einzelheiten dazu findet ihr hier und hier.
Die Besonderheit dabei ist, dass E-Mails mitnichten mit Briefen gleichzusetzen sind, wie allenthalben angenommen wird. Vielmehr sind E-Mails das digitale Äquivalent zur Postkarte: Billig, schnell und lesbar von jedem, der sie auf dem Weg vom Sender zum Empfänger in die Hände bekommt. Mit ein wenig Geschick sind sie sogar manipulierbar und bergen damit ein großes Potenzial für Misslichkeiten aller Arten.
Dagegen hilft nicht viel, die einzige Möglichkeit um aus einer Postkarte eine sichere (siehe dazu auch einen älteren Eintrag) Möglichkeit zur Kommunikation zu machen ist, sie in einen Umschlag zu stecken und den Umschlag zu versiegeln. Wird das Siegel gebrochen weiß der Empfänger, dass die Nachricht nicht mehr in dem Zustand ist, in dem sie den Sender verlassen hat.
Das gleiche kann man problemlos auch bei E-Mails tun: Umschläge und Siegel benutzen.
Dazu installiert man sich das FOSS-Programm GPG, mit dessen Hilfe man sich die Umschläge und das Siegel selbst bauen kann. In den meisten Linux-Distributionen zählt GPG als Bordmittel und ist dementsprechend vorinstalliert. Der Grund dafür ist, dass GPG weit mehr kann, als nur E-Mails verschlüsseln. Was das ist kann man bei Interesse auf der Projektwebsite nachlesen.
Im Interesse der Benutzerfreundlichkeit empfehle ich außerdem, das Programm “Mozilla Thunderbird” sowie dessen Extension “Enigmail” zu installieren. Beides ist in den Debian-Repositories hinterlegt.
Wenn alles installiert ist könnt ihr loslegen. Eine bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung, die selbst der letzte n00b verstehen sollte findet ihr hier.
Ich möchte gar nicht viel zum eigentlichen Einrichten sagen, da ich finde, dass das die Jungs vom CryptoCD-Team verdammt gut gelöst haben.
Zur Benutzung möchte ich euch allerdings einige Hinweise an die Hand geben.
Stellt euch die Technik vor, als würdet ihr jedem, der euch eine Nachricht schicken möchte, einen Stapel Stahlkisten zuschicken. Jede dieser Stahlkisten hat ein Schloss, das nur mit einem bestimmten Schlüssel zu öffnen ist. Diesen Schlüssel habt ihr allein. Wenn ein Freund euch jetzt eine Nachricht schicken will, nimmt er eine dieser Stahlkisten von seinem Stapel und steckt die Nachricht hinein. Dann schlägt er die Tür zu. Ab jetzt kann die Kiste nur noch mit dem richtigen Schlüssel geöffnet werden. Jetzt setzt sich der Bote ans Steuer seines LKW und fährt die Kiste zu euch. Ihr macht die Kiste auf und siehe da – die Nachricht hat euch erreicht, ohne, dass jemand anderes sie lesen oder verändern konnte. Und damit ihr sicher sein könnt, dass die Nachricht auch von eurem Freund kommt, hat der sie unterschrieben und sein Siegel auf der Nachricht hinterlassen. Für die Antwort nehmt ihr eine Stahlkiste vom Stapel, den er euch geschickt hat und los gehts.
Prinzip klar? Wunderbar.
Dann noch einige Sicherheitshinweise:
1. Erstellt ein Backup eures geheimen Schlüssels an einem sicheren Ort. Wenn der Schlüssel verloren geht könnt ihr alle damit verschlüsselten E-Mails abschreiben.
2. Gebt den Schlüssel nicht aus der Hand. Jeder, der Zugriff auf den Schlüssel hat, kann in eurem Namen E-Mails verschicken. Und eure E-Mails lesen.
3. Unterstützt das Web of Trust der GPG-Nutzer und geht zu Keysigning-Partys oder veranstaltet selbst welche. Wenn ihr Hilfe braucht meldet euch bei mir.
4. Verschlüsselt so viele Nachrichten wie möglich und helft so, den Umschlag als Standard zu etablieren und die Postkarte zur Ausnahme zu machen.
Falls noch Fragen offen sind meldet euch in den Kommentaren.
Anmerkung: Das Bild zeigt eine graphische Darstellung meines GPG-Web-of-Trust. Erstellt wurde die Darstellung mit sig2dot und springgraph, vielen Dank an Darxus für diese epischen Tools!
Warum Festplattenverschlüsselung?
Regelmäßig verschwinden mehrere tausend Notebooks pro Jahr. Der wirtschaftliche Schaden allein durch die Hardware geht dabei in den Millionenbereich. Doch viel problematischer ist der – ökonomisch schwer zu beziffernde – Schaden durch Datenverlust. Schützen kann man sich dabei nur durch zwei Maßnahmen: Backups und Festplattenverschlüsselung.
Die meisten von uns kennen die Situation: Man sitzt am Flughafen oder am Bahnsteig und wartet auf sein Transportmittel. Um sich die Zeit zu vertreiben bootet man kurz das Notebook und ackert seine E-Mails durch. Wer jetzt aufsteht um sich “mal eben” einen Kaffee zu holen riskiert einen Diebstahl und bei Firmeneigentum am Notebook auch gleich noch eine Abmahnung. Eine Binsenweisheit? Ja. Nur leider beachten viel zu wenige die tatsächlichen Sicherheitsregeln die in den meisten Firmen mittlerweile vorgeschrieben sind.
1. Laptop niemals unbeaufsichtigt lassen.
2. Falls das Gerät doch einmal allein bleiben muss, muss es mit einem Kensington-Schloss gesichert werden.
3. Für den Fall, dass das Gerät doch abhanden kommt muss die Festplatte verschlüsselt sein.
Bis hierhin klingt noch alles logisch und nachvollziehbar, gelten doch im Business-Bereich ganz andere Regeln als man sie für sich selbst privat anlegt.
Ein dazu immer wieder gehörtes Argument ist “Ach, das was da drauf ist interessiert doch keinen”. Meistens kommt dieses so genannte “Argument” von den gleichen Leuten, die auf eben dieser Maschine ihre Kontoauszüge als .pdf speichern, ihre Kreditkartendaten in einem Excel-File aufbewahren und am besten noch ein paar – freundlich ausgedrückt – nicht als jugendfrei klassifizierbare Fotos von sich selbst und der Freundin auf der Platte haben.
Diese Menschen sind dann immer sehr überrascht, was man so alles über sie herausfinden kann, einzig und allein indem man ihren Rechner durchforstet.
Deshalb nochmals zum mitmeißeln: In dem Augenblick wo euer Computer seinen Stammplatz verlässt und mitgenommen wird ist eine Verschlüsselung der Festplatte keine Kür mehr sondern Pflicht. Jeder von uns hat etwas auf dem Rechner, von dem er nicht möchte, dass andere es sehen können. Verstanden? Gut. Auch wenn der Rechner stehen bleibt, ist es übrigens immer noch sinnvoll, die Platten zu verschlüsseln. Wer möchte schon riskieren, dass Einbrecher außer der Hardware auch noch Daten finden, die sie zu Geld machen können?
Und für den Fall, dass das Notebook gestohlen werden sollte hat sicherlich jeder von euch ein (hoffentlich ebenso verschlüsseltes) Backup, richtig?
Sicherheit im IT-Bereich
Dies wird der Auftakt zu einer Artikelserie, in der ich euch erklären will, was man tun kann, um seine Sicherheit im Internet aber auch gegenüber physikalischen Zugriffen zu erhöhen.
Bitte beachtet dabei, dass Sicherheit im IT-Bereich genauso wie im echten Leben immer nur eine relative Sicherheit darstellen kann.
Jeder weiß, dass allein die Tatsache, dass eine Haustür vorhanden ist, keinen Einbrecher abhält. Sind dazu noch die Fenster vergittert, wird es zwar schon schwieriger, aber einen entschlossenen Gegner hält auch das nicht auf. Letztendlich kann es keine vollumfängliche Sicherheit geben. Man kann nur dafür sorgen, dass der zu erwartende Aufwand für den Einbrecher höher ist, als der zu erwartende Ertrag.
Genau das gleiche gilt für Computersicherheit. Wenn ihr dafür sorgt, dass der Zugriff auf eure Daten für jeden, den sie nichts angehen, so schwer wird, dass es sich nicht mehr lohnt habt ihr gewonnen.
Deshalb möchte ich euch in den folgenden Artikeln zeigen, wie ihr eure Zierhecken durch Betonmauern ersetzt, die Fenster vergittert und eine Stahltür einbaut.
Wenn ihr das geschafft habt machen wir mit Fallgruben, Selbstschussanlagen und ortsfesten Flammenwerfern weiter, um dafür zu sorgen, dass auch der Letzte die Lust verliert, jemals wieder an eure Besitztümer zu wollen.
Für sämtliche Artikel gilt: YMMV, ich übernehme keine Haftung und wenn jemand Verbesserungsvorschläge hat, nehme ich die gerne in den Kommentaren entgegen und pflege sie nach Prüfung ein. Sämtliche Artikel beziehen sich auf ein Debian GNU/Linux-System und ich werde keine Fragen zu anderen Betriebssystemen beantworten, da ich mich nur auf meinem Heimatsystem gut genug auskenne, um mir kompetente Hilfe zuzutrauen.
Die Reihenfolge wird sein:
- Festplattenverschlüsselung: Warum?
- Festplattenverschlüsselung: Wie? (Full-Disk-Encryption oder Container)
- Kommunikationsverschlüsselung: GPG
- Kommunikationsverschlüsselung: OpenVPN
- Kommunikationsverschleierung: Aufbau eines Darknet via Freenet
- Gegenangriff: Grundzüge eines erfolgreichen Gegenschlags
Bitte beachtet, dass die Artikel nach und nach erstellt werden. Wenn ihr konkrete Vorschläge zu einem noch nicht bearbeiteten Thema habt nehme ich diese sehr gern per E-Mail entgegen.
Viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg beim Umsetzen der Maßnahmen.
Extere Festplatte zu gewinnen
Dr. Web verlost eine externe Festplatte im 2,5″-Format, die alle Daten automatisch verschlüsselt speichert. Zum Serren und Entsperren der Daten ist ein RFID-Transponder notwendig, ohne den die Daten auf der Platte nicht lesbar sind.
Um eine Chance auf dieses feine Stück Technik zu haben, sollte man bei Dr. Web einen Kommentar zum Thema Datensicherung abgeben. Am 09.12.2008 ermittelt ein Zufallsgenerator den Gewinner. In den ersten 3 Stunden nach Veröffentlichung des Gewinnspiels gibt es schon etwa 160 Kommentare.
